Arbeito im Irish-Pub

Heute möchte ich von meiner ersten Arbeitserfahrung in Japan schreiben. Zu dieser Zeit war mein Japanisch noch mehr als dürftig, ich konnte nur sehr wenige Schriftzeichen und für Ausländer ist es sowieso schwieriger dort Arbeit zu finden – ideale Voraussetzungen also 😉 Mit diesem Hintergrund kommen maximal Minijobs infrage, aber auch nicht viele. Ich hatte Glück und bin durch einen Mitschüler meines Japanisch-Kurses auf ein Irish-Pub gestoßen, und dort wurde gerade nach Verstärkung gesucht. Der Besitzer war Ire und seine Frau Japanerin. Sie hat den Laden geführt und konnte sehr gutes Englisch. Die Mitarbeiter kamen aus aller Welt und die Kunden waren 50/50 Japaner und Ausländer. Also begann meine erste „Arbeito“ Erfahrung.

In Japan werden „Part-Time-Jobs“ als „Arbeito“ bezeichnet, obwohl fast niemand dort weiß, dass es vom deutschen Wort Arbeit kommt. Jedes mal wenn ich das einem Japaner erzählt habe, wurde ich überrascht angeguckt. Obwohl diese „Teilzeitbeschäftigung“ für deutsche Verhältnisse manchmal eher Vollzeit entspricht – bis zu 40 Std. pro Woche. Das war bei mir allerdings nicht der Fall, ich habe nur am Wochenende und immer nur so rund fünf Stunden gearbeitet, das ging auf jeden Fall als Nebenbeschäftigung durch. Mein erster Tag in dem Irish-Pub war gleich ein ziemlich Stressiger – eine Halloween-Party mit reichlich Gästen. Ich wurde also ins kalte Wasser geworfen mit Bestellung aufnehmen, Tische säubern, Essen bringen und noch vieles mehr. Ich hatte nicht mal Zeit mein Kostüm fertig zu machen, weswegen ich extra 30 min früher kam.

Einmal wurde ich in die Küche kommandiert um abzuwaschen, was mir allerdings zum Verhängnis wurde. Scheint wohl, dass ich das wesentlich gewissenhafter gemacht habe als manch Anderer. Und so wurde ich des öfteren in die Küche bestellt. Hatte damit zwar kein Problem, aber an einem anderen Tag war es noch mal ein ganzes Stück voller als an Halloween und so habe ich mich auf‘s Abwaschen in der Küche und an der Bar von Gläsern beschränkt. Das Resultat war, dass ich 5 Stunden ununterbrochen abgewaschen habe. Ergo: Fischfinger!

An einem anderen ganz normaler Tag, ich dachte an nichts böses und wusch ein Guinnes-Glas ab und dann brach dieses plötzlich und bohrte sich in meinen kleinen Finger. Ich war erst mal überrascht, dass ein Glas einfach so brechen kann, erst danach realisierte ich wirklich meine Verletzung. Jedenfalls spritzte ordentlich Blut und anstatt mir zu helfen suchte meine argentinische Kollegin das Weite, weil sie kein Blut sehen konnte – ohne Worte. Habe dann doch noch erste Hilfe von einer japanischen Kollegen bekommen. Sie hat meinen Finger desinfiziert und mit zwei Pflastern zusammengeflickt, ein Stück von Finger war nämlich, wie soll ich das sagen … ab … oder halb ab, hing da jedenfalls irgendwie so rum. Ich habe meine Schicht dann trotzdem noch beendet, mit sozusagen erhobenen Finger! Damit nicht zu viel Blut in diesen läuft, hielt ich die ganze Zeit meine Hand in die Höhe, und das noch für ein paar Stunden – sah wahrscheinlich äußerst interessant aus. Nach der Arbeit bin ich dann noch 10 km mit dem Fahrrad nach Hause gefahren. Das nenn ich mal männlich xD Das ist alles ziemlich gut verheilt und schon eine ganze Weile her, übrig ist nur eine kleine Narbe.

Die letzte erwähnenswerte Story ist wohl die Neujahrsparty. Das war so voll, dass man kaum zu den Kunden durchgekommen ist um Bestellungen aufzunehmen oder zu bringen. Ich hatte an diesem Abend einen ganz persönlichen Kunden. Er war Amerikaner und trank gerne Whisky-Cola, und zwar so gerne, dass er über den Abend verteilt 14 davon konsumierte – zu einem Preis von umgerechnet ca. 10 Euro je Mischung. Beim Letzten war er schon so dicht, dass er nach dem halben Glas dieses irgendwie in den Händen „zerdrückte“ und der Rest auf dem Boden landete. Erstaunlicher Weise hat er sich nicht verletzt. Na dann prost!

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